“Jeder ist hier willkommen”

Berlin – Stolz in die Höhe ragende Bäume, die Sonne hoch am Himmel. Der Bau aus den siebziger Jahren erscheint wie eine sichere Burg. Das ärztlich geführte Pflegehaus Kreuzberg ist ihrer aller Zuhause: N. Yoleri, 88 Jahre, geboren in der Türkei. Jetzt lebt er mit Blick auf seine Staffelei in Zimmer 321. Und auch Hartmut Widzinski, gebürtiger Berliner der, nachdem ihn eine neurologische Krankheit überfallen hatte, an den Rollstuhl gefesselt ist. Er wählte die Einrichtung in der Methfesselstraße für eine Kurzzeitpflege.

“Jeder ist hier willkommen”, titelt das interkulturelle Magazin “mondial”. Ein Besuch in der Mini-Metropole inmitten von Berlin.

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Kräuter-Lust im Pflegehaus Kreuzberg

Berlin, 9. August 2012 – Saftige Erde klebt unter ihren Fingernägeln. Sie zupft ihr Kopftuch zurecht und schiebt den Rosmarinzweig ein Stückchen tiefer in den Mund. Dann liegen ihre Hände gefaltet im Schoß. Die Lippen mit dem Rosmarinzweig verschieben sich zu einem Lächeln. Direkt vor der alten, dementen Dame, auf dem mit Erdklümpchen bedeckten Holztisch draußen im Garten, stehen eingetopfte Kräuter. Auf metallenen Töpfen zeigt eine schwungvolle Schrift: “Kräuter-Lust”. Es ist das Thema dieser Stunde, am frühen Nachmittag im Sinnesgarten hinter dem Pflegehaus Kreuzberg. Von der Methfesselstraße wehen die Straßengeräusche herüber. Hier, auf der Anlage der Pflegeeinrichtung, schweifen die Gedanken der Senioren zurück in die Kindheit, als sie wild wachsenden Rosmarin sammelten. “Die Pflanzen sind wichtig für die Biografie-Arbeit”, sagt Ergotherapeutin Annegret Ulbricht mit Blick auf die Vergangenheit der Bewohner, an die das Pflegeteam anknüpft. “Unsere Bewohner sollen fühlen, riechen, schmecken. Mit dieser basalen Stimulation wollen wir ihre Sinne anregen.”

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“Wolfskinder” aus Litauen zu Gast: “Es ist ein Wunder”

Berlin, 8. Juni 2012 – Breitbeinig steht er am bronzenen Streifen. Das linke Beim im Osten, das rechte fest im Westen. Unter ihm, auf diesem bronzenen Steifen, steht zur Erinnerung geschrieben: BERLINER MAUER. Uwe Fritz trippelt, verstärkt seine Position, schaut in den Himmel und lächelt hinter der Gleitsichtbrille. In den fünf Tagen, in denen der 72-Jährige in Deutschland sein wird, möchte er Uwe Fritz genannt werden. Oder Herr Uwe. “Es ist ein Wunder”, sagt Herr Uwe aus Litauen.

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